KARL BOHRMANN – WIEDERHOLUNGEN
Ausstellung | 06.10.2009 bis 25.10.2009Vitirinenkorridor eine Auswahl jener 355 Zeichnungen des 1998 verstorbenen Karl Bohrmann, die unter dem Titel »Wiederholungen« im Spätherbst 1997 in der Neuen Pinakothek in München gezeigt wurden und nun als großzügige Schenkung aus der Sammlung von Ingrid und Werner Welle an die Staatliche Graphische Sammlung gelangen. Diese Blätter bedeuten einen großartigen Zuwachs für das Museum, verfolgte dieses doch den Weg Karl Bohrmanns über viele Jahre und ehrte den Künstler mit zwei umfangreichen Ausstellungen.
Der 1928 in Mannheim geborene Maler und Zeichner lebte in den 1960er und
1970er Jahren in München. Das Lenbachhaus widmete 1981 seinen Arbeiten auf
Papier eine umfangreiche Retrospektive.
Die hier ausgestellten Zeichnungen (entstanden 1993/94) markieren den
Endpunkt einer über vierzig Jahre währenden Beschäftigung mit dem weiblichen
Akt. Jedoch prägte wohl nie zuvor seine Zeichnungen in dem Maß ein Zug des
Konzeptuellen, wie ihn die gezeigte Serie der »Wiederholungen« offenbart. In der
Abfolge der Blätter herrscht das Prinzip der gewissermaßen offen-unendlichen
Serie, der monotonen Wiederholung. Das Thema dieser »Wiederholungen«, die
als Faksimile in einem Zeichenbuch reproduziert erschienen, ist nichts als das
Geheimnis der Erscheinung, vielfach der erotische Moment des sich
auskleidenden Modells im Innehalten zwischen Erscheinen und Verschwinden,
der Augenblick staunenden Sehens. Wie Bohrmann selbst bekannte, sind es
beim Wiederholen »die geringen Abweichungen, die dabei unter der Hand
entstehen, die minimalen Verschiedenheitsgrade, welche das Motiv dann
unerwartet zu etwas ganz anderem werden lassen«. In diesen Blättern versuchte
der Künstler, den schwerelosen Rhythmus zwischen Anschauen und Zeichnen,
ein Zeitmaß des »Andächtigen« für die flüchtige Beweglichkeit des Ausdrucks zu
finden. Matisse vergleichbar zwingt Bohrmann seine Hand, die angelernten
Gesten zu vergessen. Wie sein Lehrer Willi Baumeister betont er die Sinnlichkeit
des Materials. Wie bei Morandi, den er hoch verehrte, vibriert die von Licht
durchtränkte Linie. Im Sinne seines erkennenden Wahrnehmens resümierte
Bohrmann einmal selbst: »Das ist eine wichtige Erfahrung: dass ich mich durch
das Zeichnen von dem ursprünglichen Sehen entfernt habe, dass ich das
Zeichnen zeichne und nicht das Gegenüber, auch nicht die Empfindung davon.«
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