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Kunstverein München e.V. päsentiert The Imaginary Museum

Ausstellung | 13.07.2012 bis 09.09.2012

In der Ausstellung The Imaginary Museum (Das imaginäre Museum) verknüpft der Kunstverein München Arbeiten junger Künstler mit einer ortsspezifischen Installation antiker Gipsabgüsse aus dem Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke in München.


Präsentiert
werden komplexe Rauminstallationen von Mark Leckey (UK, *1964,
Gewinner des Turner-Preises 2008), Oliver Laric (AT, *1981) und James
Richards (UK, *1983) sowie Videoarbeiten und Fotoserien von Eric Bell
(CA, *1985) & Kristoffer Frick (DE, *1985), Sean Snyder (USA,
*1972), Becky Beasley (UK, *1975), Simon Martin (UK, *1965) und Ed
Atkins (UK, *1982), wie auch eine Performance on Jimmy Robert (
GP,
*1975)
zur
Finissage am 9.9.2012.



 



Die
Ausstellung wird von einem vielseitigen Rahmenprogramm begleitet,
unter anderem mit zwei Filmabenden, die in Zusammenarbeit mit dem
Werkstattkino München (Fraunhoferstr. 9) entstanden und von Simon
Martin und Ed Atkins (Screening am 14. Juli, 18h) sowie von James
Richards (Screening am 21. Juli, 18h) kuratiert wurden.



 



Bei
der ortsspezifischen Installation mit den Gipsabgüssen handelt es
sich um die Rekonstruktion nach einer Fotografie, die 1932 in einem
der Räume des heutigen Kunstvereins München aufgenommen wurde.
Damals fungierte er als Ausstellungsraum der Gipsabgusssammlung und
präsentierte die Kopien antiker Statuen.




Ganz
beiläufig verschränkte der Fotograf damit zwei Arten der
Reproduktion miteinander – Abgussverfahren und Fotografie –, die
im 20. Jahrhundert, dieser von der Moderne geprägten Ära, nie so
recht zusammenfinden wollten. Durch das anachronistische Moment, das
solche Sammlungen auszeichnete, und die Wertlosigkeit, die dem
Material innewohnt, führte die Gipskopie innerhalb des kritischen
Diskurses nur ein Schattendasein. Eine genauere Untersuchung dieses
Fotos der Ausstellungsansicht von 1932 eröffnet uns jetzt aber die
Möglichkeit, Walter Benjamins Aussage, wonach der Fotografie im
„Zeitalter der mechanischen Reproduzierbarkeit“ eine
Monopolstellung zugeschrieben wurde, kritisch zu hinterfragen. Dabei
tritt die Gipsabgusssammlung als ein Phänomen in Erscheinung, das
lange vor der Moderne den unmittelbaren Bezug zwischen Autor und Werk
aufgehoben hat. Die fotografische Ausstellungsansicht gibt die Kopien
der griechischen Statuen so wieder, dass sie die Aura ihrer
Originalität noch in sich tragen – insbesondere deshalb, weil sie
gesammelt, in den Kontext einer Institution gerückt und ausgestellt
wurden.
The
Imaginary Museum
knüpft hier durch eine Rekonstruktion der historischen
Ausstellungsansicht am originalen Ort an, verstärkt den komplexen
Charakter der Thematik aber dahingehend, dass nunmehr neuere Abgüsse
der Kopien gezeigt werden. Die originale Abgusssammlung war nämlich
während und nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört worden.



 



Die
Fragestellungen, die mit einer solch anhaltenden Aneignung von Aura
verbunden sind, beschäftigen auch eine jüngere Generation bildender
Künstler. Dies gilt insbesondere deshalb, weil sie den
institutionellen Praktiken nahe kommen, die mit dem Themenkomplex
Sammlung, Ausstellung und Forschung verbunden sind, wenn sie die
breit gefächerten Quellen, aus denen sie schöpfen, in ihre
ästhetische Produktion überführen. Gleichwohl bleibt die
historische Stellung der Gipsabgusssammlungen „umstritten“, wie
der Kunsthistoriker Sven Lütticken feststellt, „und eben deshalb
interessant“. In seinem eigens für die Ausstellung publizierten
Text
Das
imaginäre Museum der Gipsabgüsse
unterzieht Lütticken den wichtigen Einfluss, den Abgusssammlungen
auf die Vorgehensweisen zeitgenössischer Künstler hinsichtlich
ihres Umgangs mit Referenzen auf Bildquellen sowie deren
Reproduktionen ausüben, einer Neubewertung. Um seine These zu
untermauern, zieht Lütticken unter anderem André Malraux’ Buch
Das
imaginäre Museum
heran (dessen englische Übersetzung The
Museum Without Walls
Das
Museum ohne Mauern
lautete). Dieser französische Politiker und Autor hatte schon in den
1930er Jahren vorausgesagt, dass das „echte“ Museum der Originale
alsbald zunehmend durch das imaginäre Museum der Fotografie
verdrängt werden würde.




Wenn
man sich heutige Museumssammlungen vor Augen führt, zeigt sich, dass
diese Entwicklung nicht mehr nur noch auf ein Medium beschränkt ist,
sondern sich inzwischen auf Skulpturen, aber auch auf das Internet
und auf Publikationen ausgeweitet hat. Heute ist es längst an der
Tagesordnung, dass ein Kunstwerk auch dann gesammelt wird, wenn es
als Edition produziert wurde. Und jeder, der eine Ausstellungsansicht
im Internet angeschaut hat, kann inzwischen behaupten, die
Ausstellung gesehen zu haben.



 



Die
zeitgenössischen Werke, die für die Ausstellung
The
Imaginary Museum
ausgewählt wurden, knüpfen an diese Überlegungen an. Die Quellen
der ausgewählten Arbeiten nämlich stammen von anderen Autoren,
kommen aus Filmen, aus dem Internet, der Literatur oder dem Design
(Becky Beasly, James Richards, Simon Martin, Eric Bell &
Kristoffer Frick). Andere Arbeiten thematisieren die institutionellen
und politischen Systeme, denen die Kontrolle über Originalität und
Wert obliegt – also das Sammlungs- und Ausstellungswesen (Mark
Leckey, Sean Snyder, Ed Atkins), oder widmen sich einer spielerischen
Umverteilung der politischen Symbole nationaler Identität (Oliver
Laric). Die unmittelbare Beziehung zwischen diesen Arbeiten und den
Gipsabgüssen erschließt sich allerdings nur dank der Tatsache, dass
hier vor- und postmoderne Haltungen zum Thema Darstellung faktisch
aufeinander treffen
.
The Imaginary Museum
versteht sich deshalb als erste Annäherung an eine Untersuchung über
die Bedeutung von Gipsabgusssammlungen.



 


Kunstverein München e.V.
Galeriestr. 4
8O539 München


 



The Imaginary Museum

Eröffnung:
Freitag, 13. Juli 2012 um 19:00 Uhr

14. Juli - 09. September 2012



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